Case Study

FUTURIUM - Haus der Zukunft

Architect
Richter Musikowski, Berlin
Project completion date

Die Wolke, die vom Himmel fiel

Einige Tausend, rautenförmig angeordnete Kassettenelemente mit Metallreflektoren und keramisch bedrucktes Gussglas sorgen dafür, dass die Fassade des Berliner „Futurium – Haus der Zukunft“ Aufsehen erregt. Das Umgebungslicht erzeugt in den Metallreflektoren ein changierendes Erscheinungsbild. Im Mai 2018 war der Neubau bereits an ausgewählten Tagen offen, im Frühjahr 2019 fand die Gesamteröffnung statt.

Eine besondere Anmutung und Wirkung des Futuriums

Die Architekten Christoph Richter und Jan Musikowski ließen sich bei ihrem Entwurf von zwei entscheidenden Ansätzen leiten: Auf der einen Seite sollte das Futurium ein „Zukunftsgefäß“ sein, welches eine eigenständige Form und starke Raumsequenzen vorweist. Auf der anderen Seite sollte das Gebäude mit einer robusten, aber gleichzeitig auch fragilen Hülle umschlossen werden. Daraus entstand folglich ein Baukörper, der als eine Art „gelandete Wolke“ zwischen den steinernen Blockrandbauten seine ganz eigene Anmutung und Wirkung entfaltet. 

Zentrale Lage des Futuriums

Das Futurium liegt als neues Veranstaltungs- und Ausstellungszentrum zentral in der Hauptstadt: Gegenüber des Spreebogenparks wird das Areal im Norden von der Stadtbahn und dem Gelände der Charité, im Osten vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und im Süden vom Sitz der PwC begrenzt. Es wurden zwei öffentliche Plätze durch das Zurücksetzen der Baufluchten im Norden und Süden durch die Architekten geschaffen. Der Grundriss des Neubaus ist fünfeckig und leicht asymmetrisch. Darüber faltet sich das Volumen zu beiden Schauseiten „schmetterlingsförmig“ auf. Aus dieser Anhebung resultieren Auskragungen, welche bis zu 18 m überdachte Freiflächen bilden und damit die Haupteingänge des Baus bilden. 

Dreigeteilte Struktur des Gebäudes

Die Struktur des Hauses ist dreigeteilt: Erdgeschoss befindet sich das mit hellen Farbtönen und einer Treppe gestaltete Foyer. Der Aufenthaltsbereich weist neben den gruppierten Infrastrukturblöcken ein Restaurant und einen Shop vor. Die größte Fläche nimmt das Veranstaltungsforum ein, welches flexibel zwischen 56 und 670 m2 konfiguriert werden kann. Das unterirdische, 600 m2 große Futurium Lab wird von dunklen Oberflächen geprägt; die in regelmäßigem Raster verteilten Lichtspots an den Decken setzen Akzente. Das Herz des Futuriums findet der Besucher im Obergeschoss: Der rund 3.200 m2 große Ausstellungsbereich, welcher in Zukunft in die „Denkräume“ Mensch, Natur und Technik eingeteilt wird. Diese lassen sich von den beiden Galerieebenen großzügig überblicken. 


Das Futurium als Abbild einer Wolke

Die Ost- und Westfassade sowie die Eingangsuntersichten sind von rund 4.000 m2 hinterlüfteter, rautenförmiger Kassettenschicht umhüllt. Zusammengesetzt wird diese aus 70 auf 70 cm großen Elementen, etwa 8.000 sind es an der Zahl. Drei Viertel von diesen bestehen aus 12 cm tiefen, unterschiedlich gefalteten Metallreflektoren und in der äußeren Ebene aus keramisch bedruckten, 6 mm starkem Gussglas (Decorglass SR LISTRAL L). „Das Gussglas ermöglicht ein vielfältiges Lichtspiel. Im Gegensatz zu transparentem Glas streut und moduliert es das Licht mit den Umgebungsreflektionen.", erklärt Architekt Christoph Richter. „Für uns ist das ein wichtiger gestalterischer Effekt.“ Je nach Tages- und Jahreszeit erzeugt das reflektierte Licht ein änderndes Erscheinungsbild. Die weiße Bedruckung dient vor allem nachts als lichtempfangende Ebene. Insgesamt lässt sich die Erscheinung der Kassettenflächen als grafischer Abdruck einer Wolke, eines Schwarms oder eines Partikelsturms interpretieren. Verschiedene Bedruckungsgrade auf den Glasflächen erzeugen dieses charakteristische Muster: Die vier verschiedenen Elementtypen zeichnen sich durch eine verschieden intensive Bedruckung zu 1/4, 1/2, 3/4 und 4/4 aus. Das Muster ist jedoch vor dem Veranstaltungssaal, der Verwaltung im Obergeschoss und der Galerieebene „durchlässiger“ gestaltet, um einen stärkeren Lichteinfall zu erhalten. So wurden hier vor allem 1/4 bedruckte, transparente Gläser verbaut. Für die Komfortlüftung in den Büros wurden Parallelstellfenster eingebaut.  

 

Die Zukunft hat hier schon längst begonnen

Die 28 m breiten und 8 bzw. 11 m hohen Pfosten-Riegel-Fassaden an den auskragenden Schauseiten sind komplett an darüber liegenden Hohlkastenträgern abgehängt. Für optimalen Wärmeschutz sorgen hier rund 210 und 350 m2 CLIMATOP Gläser im System Vario DZ. Da die Verglasung grau getönt ist, kann auf einen außenliegenden Sonnenschutz verzichtet werden. Darüber hinaus kamen etwa 330 m2 Paneele mit keramisch bedrucktem PLANICLEAR zum Einsatz . Ein „Skywalk“ führt um und durch das fast vollständig mit PV- und Solarthermie-Elementen belegte Dach. Wie auch die Verglasung der Fassade ist es ein wichtiger Baustein, der das Futurium zum Niedrigstenergiehaus macht. Die Zukunft hat hier schon längst begonnen.

Objekt: Futurium
Bauherrschaft: Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Berlin; Partner: Bundesministerium für Bildung und Forschung, Berlin
Architektur: Richter Musikowski, Berlin; Christoph Richter, Jan Musikowski
Fassadenberatung: ARUP Deutschland, Berlin
Fassadenausführung: Vorhangfassade: AL PROMT Metallbau, Constanta/Rumänien, Ferrolight SG, Kevelaer (transparente Elemente Büroräume)    Panoramafassade: Metallbau Windeck, Kloster Lehnin-Ritz
Glasherstellung: Saint-Gobain Building Glass Europe
Fotos © Arup/ Rossmann, Berlin;                                    Andreas Bittis/ Saint-Gobain Glass